Die Geschichte unseres heutigen IG‑Metall‑Geländes: Von bäuerlichen Wurzeln zum Ort gelebter Solidarität

Das Gelände, auf dem heute die IG Metall steht, war einst Eigentum der Gemeinde Drenke. Die Menschen dort lebten bescheiden – die kargen Flächen reichten lange Zeit nur als Schafweide. Erst mit wachsendem Wohlstand hielten Kühe Einzug, und Bauer Crux sicherte sich ein besonders gutes Stück Land.

Wie die Burg entstand

Eine Tochter des wohlhabenden Bauern Crux heiratete Herrn Temme – einen Bürgerlichen, der sich als Schiffskoch und später als Kantinenwirt auf dem Truppenübungsplatz in der Senne (zur Kaiserzeit) ein kleines Vermögen erarbeitete. Das Land erhielt die Tochter als Mitgift, und genau hier ließ Herr Temme die Burg errichten.

1912 wurde sie fertig: gebaut aus Steinen des eigenen Steinbruchs, benannt nach seiner Frau Elisabeth – die „Elisenhöhe“.

Unter der Woche arbeitete der Burgherr in Schloss Neuhaus, am Wochenende zog er sich mit seiner Familie auf die Burg zurück. 60 Kilometer lagen dazwischen – für die damalige Zeit weit. Herr Temme kaufte sich deshalb frühzeitig ein eigenes Auto. Doch genau dieses wurde ihm zum Verhängnis: Er kam an einem Bahnübergang ums Leben. Seine Frau starb ein Jahr später, zurück blieben neun Kinder.

Zwischen Familienbesitz und Zeitgeschichte

Die Kinder wollten den Besitz nicht aufgeben und eröffneten ein Ausflugslokal. Der Krieg unterbrach diese Pläne. Später wurde an einen Metzger verpachtet, doch das Gesundheitsamt entzog wegen der Wasserversorgung die Betriebserlaubnis.

1942 verkauften die Erben an einen Bauunternehmer aus Essen, der das Gelände kriegsbedingt wieder abgeben musste.

Der Beginn der gewerkschaftlichen Ära

Die Gewerkschaft Textil und Bekleidung erkannte das Potenzial des Ortes. Am 23. Juli 1950 unterschrieb sie den Kaufvertrag über das Gelände samt aller Gebäude – für 50.000 DM. 6,25 Hektar Mischwald gehörten dazu, später kamen weitere 9,5 Hektar hinzu. Heute umfasst das Areal rund 100.000 Quadratmeter.

Ein Ort mit Geschichte – und Haltung

Viele Elemente der Burg sind bis heute erhalten:

  • Die Vorhalle und der Rittersaal mit originalen Fensterscheiben, die in dieser Qualität heute nicht mehr herstellbar wären.
  • Das sogenannte „Kriegssofa“, verziert mit dem Kaiseradler, den Wappen der Donaumonarchie und des Osmanischen Reiches sowie den Jahreszahlen des Ersten Weltkrieges.
  • Im Rittersaal finden sich noch original Möbel aus der Temme-Zeit – kunstvoll geschnitzte Schränke, Tische und Stühle. Herr Temme ließ sogar die Vornamen-Initialen seiner Familie in Holz verewigen.

Und natürlich die Kapelle, der heiligen Elisabeth geweiht, die bis heute auf dem Gelände steht.